Die scheue Europäische Wildkatze kehrt langsam in ihre angestammten Lebensräume zurück – auch im Heidekreis. Um mehr über ihr Vorkommen in der Region zu erfahren, haben die Jägerschaft Fallingbostel und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein gemeinsames Wildkatzenmonitoring gestartet.
Ziel des Projektes ist es, gesicherte Nachweise über mögliche Wildkatzenbestände im südlichen Heidekreis zu erhalten und so einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz zu leisten.
Lockstock-Methode im Einsatz
Herzstück des Monitorings ist die sogenannte Lockstock-Methode. Dabei werden im Wald an ausgewählten Standorten raue Holzstöcke aufgestellt, die mit Baldrian behandelt sind. Der intensive Geruch wirkt auf Wildkatzen anziehend. Reiben sich die Tiere daran, bleiben Haare hängen, die später eingesammelt und genetisch untersucht werden.
„Nur über genetische Analysen können wir sicher zwischen Wildkatze und Hauskatze unterscheiden“, erklärt Hartmut Pieper, Obmann Hege-und Naturschutz der Jägerschaft. Die Auswertung erfolgt in spezialisierten Laboren. So lässt sich nicht nur das Vorkommen bestätigen, sondern unter Umständen auch feststellen, wie viele Individuen in einem Gebiet unterwegs sind.
Zusammenarbeit von Naturschutz und Jagd
Dass Jägerschaft und Naturschutzverband hier Hand in Hand arbeiten, ist kein Zufall. Beide Seiten verfolgen das Ziel, die heimische Artenvielfalt zu erhalten. Die Jägerschaft bringt dabei ihre Revierkenntnisse und den engen Kontakt zur Fläche ein, während der BUND langjährige Erfahrung im bundesweiten Wildkatzenmonitoring beisteuert.
„Die Wildkatze ist ein wichtiger Indikator für intakte, strukturreiche Wälder“, betonen die Beteiligten. Ihr Vorkommen steht für naturnahe Lebensräume mit ausreichend Rückzugsorten und Beutetieren.
Rückkehr einer fast verschwundenen Art
Die Europäische Wildkatze galt in weiten Teilen Norddeutschlands lange als ausgestorben. Durch gezielte Schutzmaßnahmen und die Vernetzung von Waldlebensräumen breitet sie sich jedoch seit einigen Jahren wieder aus. Erste Hinweise aus benachbarten Regionen machen auch den Heidekreis zu einem potenziell geeigneten Lebensraum.
Mit dem Monitoring wollen die Projektpartner nun klären, ob die Wildkatze tatsächlich dauerhaft in der Region heimisch ist oder lediglich durchzieht. Die Erhebungen laufen über mehrere Wochen, bevorzugt in den Wintermonaten, wenn die Tiere besonders aktiv sind.
Bitte um Rücksichtnahme
Waldbesucherinnen und Waldbesucher werden gebeten, die markierten Lockstöcke nicht zu beschädigen oder zu entfernen. Hinweise auf mögliche Wildkatzensichtungen können an die Jägerschaft Fallingbostel oder den BUND weitergegeben werden.
Die Initiatoren sind sich einig: „Nur gemeinsam können wir verlässliche Daten gewinnen und die Wildkatze langfristig schützen.“ Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Naturschutz und Jagd im Sinne der heimischen Tierwelt erfolgreich zusammenarbeiten können.
Waidmannsheil
Frank Baars
Hartmut Pieper



