Jeder dritte Unfall ist ein Wildunfall

Autor: Märit Heuer / Walsroder Zeitung

Jeder dritte Unfall ist ein Wildunfall - Jägerschaft Fallingbostel e.V.

WALSRODE. Genau 1673-mal ist es im vergangenen Jahr im Heidekreis zu einem Wildunfall gekommen.
Die Zahl aus der Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Heidekreis liegt etwas höher als die der Kreisjägerschaft, die „nur“ rund 1500 Unfälle gezählt hat.

Das rühre daher, dass die für die Reviere zuständigen Jägerinnen und Jäger häufig nur bei Unfällen mit Schalenwild ausrücken müssten, erklärt Kreisjägermeister Thomas Brammer, und weniger bei Fuchs, Hase, Waschbär und Federwild.

Im Jahr 2024 hatte es laut Polizei 1640 Wildunfälle gegeben, sie machten auch 2025 etwa 30 Prozent aller Verkehrsunfälle aus. Seit Jahren ist die Zahl in etwa gleich hoch – obwohl die Kreisjägerschaft laut Brammer einen Rückgang der Schalenwildbestände beobachtet.

Warum bleibt die Wildunfallzahl dann konstant?

Darüber könne man „maximal mutmaßen“, sagt Polizeihauptkommissar Christoph Vorwerk, Ansprechpartner für das Sachgebiet Verkehr in der Polizeiinspektion Heidekreis.

Vielleicht gebe es mehr Bewegung in den Revieren durch Wölfe, dabei bleibe das Verkehrsaufkommen unverändert hoch – und teilweise fehle Rücksichtnahme im Straßenverkehr, die auch der ADAC immer wieder bemängelt.

Rehwild komme im Straßenverkehr am häufigsten zu Tode, berichtet Kreisjägermeister Brammer, dazu kämen einige Stücke Rot- und Damwild.

Eine Kollision mit einem Damhirsch hatte im vergangenen Jahr auch den einzigen Toten im Zusammenhang mit Wildunfällen im Heidekreis gefordert.

Weiterhin gab es 2025 zwei Schwerverletzte und 15 leichtverletzte Personen, teilt Christoph Vorwerk mit.

Schwerpunkte, an denen Wild und Straßenverkehr besonders oft aufeinandertreffen, hat die Kreisjägerschaft seit Jahren ausgemacht und sich für Präventionsmaßnahmen wie blaue Reflektoren und Duftzäune eingesetzt.

Die Strecke von Altenwahlingen nach Böhme, vom Alexanderplatz in Richtung Essel oder die Straßen rund um Riepe gehören dazu – doch auf verkehrsbehördliche Maßnahmen wie Tempo 70 warte man dort vergebens, kritisieren Thomas Brammer und Bernd Sartoris, Vorsitzender der Jägerschaft Fallingbostel.

„Die Anträge dazu aus den Revieren liegen vor, aber seit einem Jahr wird da nichts entschieden“, so Brammer.
„Freie Fahrt für freie Bürger steht da offenbar mehr im Vordergrund als der Tierschutz“, fügt Sartoris an.

Damit die „Meldekette“ zwischen der Polizei und den Zuständigen in den Revieren bei einem Wildunfall besser und effektiver funktioniert, arbeitet die Kreisjägerschaft schon seit einiger Zeit an einem Online-Kataster.

Aktuell sei das Prozedere noch ein „gewaltiger bürokratischer Aufwand“.
Da die Pächter und damit die Jagdausübungsberechtigten in den Revieren zum 1. April eines jeden Jahres mitunter wechseln, änderten sich damit auch die Ansprechpartner; die Listen bei der Polizei seien dann schnell veraltet.

Das Online-Kataster soll je nach Standort der Polizeibeamten bei einem Wildunfall direkt die Reviergrenzen, Kilometrierungen und Ansprechpartner enthalten – und im Idealfall direkt eine Möglichkeit, die zuständigen Jägerinnen und Jäger per Nachricht aufs Smartphone zu informieren.

„Das ist aber noch ein bisschen Zukunftsmusik“, sagt Sartoris.


Kurz & knapp:

  • Im Heidekreis wurden 2025 insgesamt 1673 Wildunfälle registriert.
  • Damit bleibt die Zahl seit Jahren nahezu konstant.
  • Die Kreisjägerschaft fordert Tempo 70 an Gefahrenstrecken und arbeitet an einem digitalen Kataster zur Verbesserung der Kommunikation.