Von Waschbär bis Wolf

Raubwildbejagung und Digitalisierung im Fokus: Die Jägerschaft Fallingbostel hat viel auf der Agenda – und geht auch gegen „schwarze Schafe“ in den eigenen Reihen vor.

Von Märit Heuer – Walsroder Zeitung

Walsrode. Es tut sich viel in der Jägerschaft Fallingbostel: Raubwildmanagement, Digitalisierung und Naturschutz sind Themen, die sich der Vorsitzende Bernd Sartoris und Kreisjägermeister Thomas Brammer für das kommende Jagdjahr auf die Fahnen geschrieben haben.

Vieles ist bereits angestoßen oder umgesetzt worden: Streckenerfassung und Abschusspläne werden digital erstellt, die Mitgliederverwaltung soll demnächst dazukommen. Außerdem eine Übersicht für Ansprechpartner bei Wildunfällen für die Polizei und eine App, die für Nachsuchen verfügbare Hundeführer anzeigt.

Ideen gibt es viele – und Menschen, die sich engagieren: Allein in der Jägerschaft Fallingbostel sind mehr als 300 Personen in verschiedenen Positionen oder Gruppen über das Jahr hinweg im Einsatz, sei es bei den Waldjugendspielen, im Hundewesen, bei den Jagdhornbläsern oder bei der Kitzrettung.

Allein im Rahmen dieser Kitzrettung haben 40 Personen an 47 Einsatztagen 645 Kitze auf mehr als 6000 Hektar gefunden, berichtet Bernd Sartoris stolz.

Auch bei der Wildtiererfassung sind die Hegeringe engagiert: Die Beteiligungsquote in der Jägerschaft Fallingbostel liegt bei 95 Prozent – und damit 15 Prozent über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt.

Diejenigen, die keine Zahlen zu den Wildarten in ihren Revieren liefern, seien „Verweigerer“, so Sartoris, auch angepasste Wildbestände.

„Es geht keinen etwas an, was in meinem Revier passiert – dann ist das Blödsinn. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung auf der Fläche“, sagt er.

Auch an die Landeigentümer richtet er einen Appell: „Die Verpachtenden sollten lieber nach Charakter und jagdlicher Eignung schauen als nach dem letzten Euro.“

Zum Thema Hege zählen auch angepasste Wildbestände: Wo eine Population überhandnimmt, wird bejagt – und wo Arten selten geworden sind, geschont.

So würden zum Beispiel seit Jahren keine Rebhühner im Heidekreis mehr geschossen, Raubwildarten wie Fuchs und Waschbär dagegen verstärkt in den Fokus genommen.

Das sei auch Konsens gewesen bei der Veranstaltung „Prädatoren-Management Niedersachsen“, bei der Untere Naturschutzbehörden, Jägerschaften und Naturschutzverbände zugegen waren.

Die Fangjagd sei jüngst vom Heidekreis mit 20.000 Euro gefördert worden, entsprechende Fallen samt Zubehör wurden für die Hegeringe angeschafft, erklärt Thomas Brammer.

Nur Inhaber eines Fallenscheins dürfen diese Jagdart ausüben und gefangene invasive Arten wieder aussetzen dürfen sie nicht.

Wer als Privatperson Ärger mit Waschbär und Co. hat, kann sich künftig an spezielle Fangjagdteams in der Jägerschaft wenden.


Zur Schalenwildstrecke des Jagdjahres 2025/2026 für den Heidekreis:

  • Rotwild: etwas mehr
  • Damwild, Schwarz- und Rehwild: weniger erlegt

Die Populationen seien stabil, man wolle sie aber nachhaltig etwas anheben, erklärt Brammer – auch als „Puffer“, immerhin jagen Wölfe in den Revieren.

Was das Thema Wolf betrifft, sehen Mitglieder der Jägerschaft die Novellierung des Niedersächsischen Jagdgesetzes entgegen, die mit Zustimmung zur Änderung des Bundesjagd- und Bundesnaturschutzgesetzes möglich gemacht wird.

Damit sollen Wölfe künftig als jagdbare Tierart geführt werden.

Sogenannte „Schadwölfe“ sollen einfacher entnommen werden können, berichten Brammer und Sartoris.

Außerdem sei ein Bestandsmanagement Teil der Diskussion, das besonders eine Regulierung in den Jungklassen vorsieht.

„Die Handlungsoption muss bei der Jagdbehörde liegen“, sagt Sartoris.


Füchse, Waschbären und Nutria seien im vergangenen Jagdjahr mehr als im Jahr zuvor geschossen worden, die Federwildstrecke blieb weitgehend stabil.

Speziell die Stockentenstrecke sei seit längerer Zeit rückläufig.

Traurig sei die hohe Zahl an Notabschüssen im Heidekreis, wollen Bernd Sartoris und Thomas Brammer ausdrücklich betonen.

Sie zeigen dabei auch auf Ursachen in der Landwirtschaft:
Stacheldraht, Plastikreste und Zaunlitzen, die in den Revieren zurückgelassen würden, verletzten nicht nur die Umwelt, sondern kosteten auch Tiere das Leben.


Die Kreisjägerschaft will aber nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen, sondern auch gegen „schwarze Schafe“ in den eigenen Reihen vorgehen.

So habe es in den vergangenen zwei Wochen Polizeieinsätze gegen Jagdscheininhaber gegeben.

„Wir haben einige Jäger, die meinen, sie hätten ihre eigenen Spielregeln“, sagt Bernd Sartoris.

Solche Fälle stünden innerhalb der Jägerschaft unter Beobachtung, ergänzt Thomas Brammer.

„Wir haben ein paar Beispiele statuiert, das spricht sich herum.“

In diesem Zusammenhang weist er noch einmal auf den verantwortungsvollen Umgang mit moderner Technik in der Jagd hin:

„Wenn jemand beispielsweise mit Nachtsichttechnik auf im Dunkeln nicht freigegebenes Schalenwild schießt – dann nehmen wir den Jagdschein weg.“



Harald Westermann erhält Verdienstnadel in Bronze der Landesjägerschaft

Im Rahmen der Hauptversammlung der Jägerschaft Fallingbostel fanden zahlreiche Ehrungen statt.

Über Auszeichnungen konnten sich freuen:

Für 40-jährige Mitgliedschaft:
Dr. Gerd Carsten Höher (Walsrode), Wolfgang Puschmann (Walsrode), Eckhardt Leifried (Hodenhagen), Menke Michaelis (Dorfmark), Winand Schoenes (Hodenhagen), Klaus Hartwig Sindram (Schwarmstedt)

Für 50 Jahre:
Ralf Brandenburg (Walsrode), Udo-Ernst Busse (Schwarmstedt), Hans-Heinrich Hambruch (Fallingbostel), Dr. Karl-Heinz Hillmann (Rethem), Friedrich-Wilhelm Stöckmann (Löverschen), Hugo Schulz (Kirchboitzen)

Für 60 Jahre:
Klaus Brüggemann (Walsrode)

Für 65 Jahre:
Claus-Dieter Brandt (Walsrode), Heinrich Kröger (Walsrode), Heinrich Nolte (Hodenhagen)

Für 70 Jahre:
Dr. Klaus Lindig (Hodenhagen)

Die Verdienstnadel in Bronze der Landesjägerschaft erhielt Harald Westermann.

Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft in Bläsergruppen der Jägerschaft:
Raphael Bigus (5 Jahre), Torben Fuhrwerk, Tobias Koch, Christopher Ahlden (10), Ursula-Marie Fleischner-Castens, Marian Sendyk (20), Wilmar von Hörsten (30) und Axel Hartge, Rainer Schmuck (40).